Individuelle Mobilität: Die feinen 125er

Die individuelle Mobilität war ab 1900 vor allem auf Fahrräder gestützt. Bis 1910 gab es dann in Graz schon eine lebhafte und wachsende Automobilproduktion in Kleinserien. Aber diese Fahrzeuge waren sehr gut situierten Leuten Vorbehalten.

Die Puch M 125 war auch für den heimischen Moped-Markrt stilprägend

Wie ich hier kürzlich [link] geschildert habe, ist Johann Puch in jenen frühen Jahren geradezu blitzschnell im Motorradgeschäft groß geworden. Bei Dr. Hans Seper finde ich für das erste Jahrzehnt gerade einmal 182 gebaute Automobile gelistet. Wäre noch die Voiturette von 1900 und mancher Prototyp zuzurechnen.

Gegenüber diesen maximal 200 Automobilen listet Seper für den gleichen Zeitraum über dreitausend Motorräder. Der Weg in den Ersten Weltkrieg führte natürlich zu einem Schwerpunkt im Bau von Nutzfahrzeugen.

Durch die Lackierung wird deutlich: Diese 125er war ein Dienstmotorrad

Was die LKW von Puch angeht, ist leider nur sehr wenig erhalten und so manches Fahrzeug im Privatbesitz von Enthusiasten verschwunden. In der Zwischenkriegszeit erreichte das Puchwerk dann Höhenflüge im Motorradbereich. Da wurden exzellente Fahrzeuge entwickelt, wobei die Motoren mit den Doppelkolben von Giovanni Marcellino Furore machten.

Diese wunderbaren Zweitakter prägten bis in die 1960er-Jahre das Erfolgsprogramm von Puch. Dazu kam nach dem Zweiten Weltkrieg noch eine technische Innovation, mit der Puch weltweit Bedeutung errang.

Der Schalenrahmen von Musger und Oswald war ab 1951 serienreif. Diese aus dem Flugzeugbau übernommene Verfahrensweise bot einen Weg, mit möglichst geringem Aufwand an Material und Bauweise einen möglichst stabilen Rahmen zu schaffen.

Jener Modus, also ein Doppelkolben-Zweitaker in einem Schalenrahmen, war bis zur Puch 250 SGS Standard. Die wurde bis 1970 gebaut. Jene Ära, in welcher die Honda CB 750 Four schließlich wie eine Granate eingeschlagen und das ganze Metier verändert hatte.

Sie können Sich bei uns quasi die Familiengeschichte der 125er anschauen

Mit der Puch M 125 schwenkte der Konzern ab 1966 auf die neue Ära ein. Das ist mein eigentliches Stichwort für diesen Beitrag. Sie können bei uns im Haus ein umfassendes Ensemble von 125er-Motorrädern sehen, das quer durch etliche Jahrzehnte reicht.

Diese schlanken, möglichst preiswerten Maschinen waren ein wichtiges Element der heraufdämmernden Massenmotorisierung, durch die völlig neue Erfahrungen entstanden, was individuelle Mobilität bedeutet.

— [Fahrzeuge] —

About sekretaer

Martin Krusche, Künstler, siehe: [link]