Nach Westen, Süden und zurück…

Ich hab mir für meine kleine Landpartie den Staatsfeiertag ausgesucht, weil ich lieber über die Dörfer denn auf der Autobahn fahre. So konnte ich mit einer milden Verkehrssituation rechnen und habe strahlendes Wetter als Draufgabe erhalten. Sehr komfortabel!

Anja Weisi-Michelitsch, Kuratorin des Feuerwehrmuseums

Mir lag an zwei Zielen. In der Weststeiermark war ein Besuch des Steirischen Feuerwehrmuseums in Groß St. Florian auf meiner Liste, Richtung Süden ging es dann nach Bad Radkersburg; in Sachen Johann Puch.

Das Feuerwehrmuseum bietet eine faszinierende Mischung aus Sachthemen und Gegenwartskunst; wobei sehr konkret KUNST gemeint ist, nicht etwa künstlerisches Basteln und Dekorieren.

Die Geschichte der Brandbekämpfung ist penibel und pointiert aufgearbeitet. Übrigens im Grunde mythischer Stoff, denn Faszination und Furcht der Menschen sind sicherlich bei nur wenigen Stoffen so eng gebündelt wie rund ums Feuer.

Ein geschichtsträchtiger Fuhrpark in Groß St. Florian, von vorne nach hinten: Austro Daimler mit Sonderaufbau (Unikat), Morris Commercial Truck, Steyr Diesel 380

Außerdem hab ich wohl den letzten Abschnitt einer Ausstellung über das Tauchen sehen können und eine sorgsam gestaltete Kunstausstellung. Ich darf dringend empfehlen, dieses Haus im Auge zu behalten, denn da hat man mit einem Ausflug gleich mehrere höchst unterschiedliche Zugänge eröffnet.

Meine Fahrt war übrigens von einer Serie kleiner Ereignisse begleitet, die ich hier separat in einem Beitrag aufblättern werde, denn es ist schon verblüffend was die Straße an manchen Tagen erzählt… um das so auszudrücken.

Dieses Extrageschichtchen [link] wäre für sich ein Plädoyer, jene Menschen zu unterstützen, die uns historische Stoffe und Artefakte lebendig, funktionierend erhalten. Die reale Anschauung und die sinnliche Erfahrung sind ja durch medial vermittelte Eindrücke nicht ersetzbar.

Kein Zufall, daß wir für einen Teil des VERSTEHENS das Wort BEGREIFEN verwenden. Ein leiser Hinweis drauf, daß unsere Hände nicht nur Werkzeuge, sondern auch „Verstandesmittel“ sind. Und das meine ich keineswegs metaphorisch. Handfertigkeit ist eine von mehreren unverzichtbaren Quellen der Intellektualität, des Geisteslebens.

Ohne Leiblichkeit wird das nichts. Sehen Sie darin auch ein Argument FÜR Sammlungen, für Museen. Womit ich übrigens auf den Internationalen Museumstag 2014 verweise der als Thema anbietet und zur Debatte stellt: „Sammeln verbindet“.

Jetzt hätte ich den Radkersburg-Teil fast unerwähnt gelassen. Gut, das ist auch keine große Sache; insofern, als ich ja voraussetzen darf, daß „Puchianer“ wissen, wo der Altmeister den wichtigsten Teil seiner Lehrzeit verbracht hat.

Das markante Haus steht übrigens recht nahe der Mur und somit nahe jener Staatsgrenze, die es zu Lebzeiten von Johann Puch überhaupt nocht nicht gegeben hat. Deshalb erinnere ich wiederholt, der nie ganz verklungene Disput, ob Puch denn nun Slowene oder Österreicher sei, ist Mumpitz, da es diese Unterscheidung zun seiner Zweit noch nicht gegeben hat. (Puch hätte diese Frage gar nicht verstanden.)

Das "Puch-Haus" in Bad Radkersburg

Johann Puch war seiner ethnischen Herkunft gemäß slowenisch, zugleich österreichischer Staatsbürger; eine im Vielvölkerstaat völlig normale Situation. Da ist hier eine kulturelle und da eine politische Kategorie, also gewissermaßen Äpfel und Birnen, die einen feinen Obstkorb ergeben, aber nicht verwechselt werden müssen.

+) Steirisches Feuerwehrmuseum Groß St. Florian [link]
+) Die Extra-Geschichte (flame log): [link]

About sekretaer

Martin Krusche, Künstler, siehe: [link]

One thought on “Nach Westen, Süden und zurück…

  1. Fußnötchen: Ich hab keinen sehr ausgeprägten Hang zur Zahlenmystikj. Aber Markierungen halte ich für etwas Nützliches. Das Redaktionssystem sagt, die sei nun der 200. Beitrag. Das wäre also schon ein Büchlein…

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