Franz Tantscher

Fahrzeug: Niederrad („Safety“) von 1889, Ära Puch

Wenn wir auf der neuen Museums-Website den Fahrzeugbereich aufblättern, ist es sehr passend, daß das erste einspurige Fahrzeug dieses ist; nämlich ein Niederrad („Safety“) von etwa 1889, also aus jenen Tagen, da Puch seine Karriere in Graz voranbrachte.

Es ist eines der ältesten Fahrräder, welches man in der Steiermark noch aus der Nähe sehen kann… Falls man Gelegenheit dazu bekommt, denn es befindet sich in Privatbesitz der Familie Edegger-Tax.

Museums-Leiter Karlheinz Rathkolb (links) und Mechaniker Franz Tantscher bereiten die Rarität für die Eröffnungsausstellung vor

Zur Herkunft heißt es: Das exquisite Stück ist eines von zehn Exemplaren, welches seinerzeit für die Zustelldienste von der Bäckerei angekauft wurden. Der Rest der Räder dürfte im Arbeitsalltag der Bäcker-Burschen verschlissen worden sein, dieses aber geriet in irgend einem Winkel in Vergessenheit.

Eine schöne Geschichte, aber kaum stichhaltig, weil wir hier eigentlich ein Kinderrad sehen. Eine andere Geschichte nennt einen Antiquitätenhändler, der es aus Polen beschafft haben soll. Weitere Geschichten werden noch zu erfahren sein.

Zu jener Zeit war England maßgeblich und stilprägend, was die neuen Fahrradformen anging. Wie das „Waffenrad“ aus Steyr waren quer durch Europa viele neue „Sicherheitsfahrräder“ („Safeties“) meist Lizenzbauten britischer Vorbilder.

Um beim genannten Beispiel zu bleiben: Das bei uns heute noch so populäre „Waffenrad“ ist historisch die Lizenzversion des „Swift“-Fahrrades der „Coventry Machinists Co.“ Auch die sehr verbreiteten „Dutchbikes“/“City-Bikes“ gehen auf britische „Roadster“ zurück.

Zurück zu jenem von Edegger-Tax. Die Besonderheit des Fahrzeuges: Es markiert den Umbruch von den sehr teuren und ebenso gefährlichen, weil sturzanfälligen „Hochrädern“ zu den modernen „Sicherheitsrädern“, die in der Folge zu einem Hauptereignis des individuellen Massenverkehrs werden konnten.

Tretkurbel und Hinterrad sind fix verbunden, links an der Nabe der kleine "Teller", ein "Fußraster". Die "Spurstange" rechts hat am vorderen Ende ein Gewinde, wodurch wohl die Kette gespannt werden kann.

Das Hinterrad ist ohne „Freilauf“, die Tretkurbel rotierte also immer mit dem Rad mit. Man sieht auf der linken Seite der Achse einen kleinen „Fußraster“ hervorlugen, auf dem wenigstens ein Fuß ruhen konnte, falls es gerade flott dahin ging.

Die schlanken Vollgummireifen waren damals sicher schon ein Fortschritt an Komfort und die große Karbid-Lampe ergab eine wichtige Sicherheitseirichtung; etwa um in Dämmerung und Dunkelheit gesehen zu werden. Bedenken Sie, die Menschen waren damals auf den Straßen noch nicht mit dem Tempo vertraut, das ein Bursche in guter Kondition auf so einem Rad erreichen konnte.

Das Fahrrad ist in faszinierendem Originalzustand

Autos waren damals noch kaum bekannt, Pferdefuhrwerke und Straßenbahnen repräsentierten ein anderes Geschwindigkeits-Universum. Es war durchaus üblich, unterm Gehen die Zeitung zu lesen oder sonst wie vom Verkehrsfluß abgelenkt zu sein. Da kam es mit den neuen „Rasern“ öfter zu Kollisionen und zu heftigen Streitigkeiten auf der Straße.

— [Fahrzeuge] —

Fahrzeug: Steyr-Puch 650 TR2 „Monte“

Sinnstiftung. Das ist einer unserer Verfahrensweisen, dem eigenen Leben einen größeren Zusammenhang zu geben. Darin gelingt es uns auch, Gemeinschaft herzustellen. Naja, man muß das jetzt nicht überstrapazieren. Aber es liegt schon besonderer Charme in Momenten wie dem folgenden.

Ich hatte mich im Museum mit Leiter Karlheinz Rathkolb zu besprechen. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch von einer sehr klugen Entscheidung. Das Museum hat einen stattlichen Konferenzraum erhalten, was in Zukunft Arbeitstreffen an einem geschichtsträchtigen Ort ermöglicht. (Sehen Sie? Geschichtsträchtig = Sinnstiftung.)

Beiläufig erwähnte Rathkolb, Piffl werde heute noch einen „Monte-Wagen“ von Ortner vorbeibringen. Das ist jetzt kein Geheimcode, aber doch Insider-Jargon. „Monte“ steht natürlich für die Rallye Monte Carlo und Ortner meint den Rennfahrer Johannes Ortner, der auf Puch und Abarth bemerkenswerte Erfolge eingefahren hatte. (1960 Staatsmeister auf Steyr-Puch 500.) Ich bin ihm und Abarths Witwe Anneliese einmal begegnet.

Johannes Ortner und Anneliese Abarth

Ferdinand „Fredi“ Thaler, von dem ich viel über Puch-Belange erfahren durfte, ist übrigens einmal Ortners Copilot in „Monte“ gewesen: [link] Aber zur Sache! Abendrot. Lange Schatten. Ich war eigentlich schon am Gehen, da rollte das Gespann auf dem Terrain daher.

Ein authentisches Rennfahrzeug mit bemerkenswerter Geschichte, ein Unikat

Fast 40 Jahre hatte der Wagen in einer Garage gestanden. Jetzt, genau jetzt, wurde er erstmals wieder in die Öffentlichkeit geschafft, um bei der Neueröffnung des Museums einen der besonderen Akzente zu ergeben. Doch Peter Piffl-Percevic betonte, nicht dieser Wagen sei die Attraktion, sondern Tantscher. Das meint Franz Tantscher, der einst Mechaniker von Weltmeister Harry Everts gewesen ist.

Tantscher ist auch der Mann, der die Puch Voiturette von 1906 wieder zum Laufen gebracht hatte. Man sieht ihn auf diesem Klöckl-Foto: [link]

Peter Piffl-Percevic ist ein profunder Kenner tief gehender Puch-Zusammenhänge

Kurz zurück zu Ortners „Monte-Wagen“, der wird also zu sehen sein. Ein spartanischer Arbeitsplatz für Rennfahrer der 1960er-Jahre, nach Möglichkeit bis in kleine Details in jenem Zustand erhalten, der ihn damals ausgemacht hat. Und die Frage der Sinnstiftung? Dazu später mehr…