S-Tec

Mobilitätsgeschichte, Gegenwart und Zukunft

Das Jubiläumsjahr neigt sich seinem Ende zu. Es ist heuer der 150. Geburtstag von Johann Puch zu feiern gewesen. Die österreichische Post hat das mit einer Sondermarke gewürdigt, welche im Museum präsentiert wurde. Wir sind zu all dem heuer in die letzte aus Puchs Zeit erhaltene Halle des historischen „Einser-Werkes“ gezogen.

Musuemsleiter Karlheinz Rathkolb bei der Projektbesprechung "Mobilitätsgeschichte" (Vor ihm das Holzmodell des verschollenen Prototypen U3)

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Das Pucherl als Stretch-Limo

Es ist ein kleiner Spaß. Und ich weiß, der Hausherr ist nicht gerade ein Freund wilder Umbauten. Dennoch wäre es ja lustig, im Museum ein Pucherl als Stretch-Limo zeigen zu können. Michael Toson, Mitarbeiter von S-Tec in Albersdorf, wo Pinzgauer und G-Wagen in Schuß gehalten werden, hat mir die Freude gemacht, das Teil zuvisualisieren.

Das Unikat einer Puch Stretch-Limo

Ich wollte ursprünglich ein kurioses Puch-Motiv, um unser „Puch-Buch“ [link] zu promoten. Klarerweise ist ein Stretch-Puch keine ernsthafte Interpretation des Themas.

Aber er ist auf jeden Fall eine schöne Paraphrase des Themas, denn es geht im Kern ja um Mobilitätsgeschichte und darum, wie wir Menschen das Kraftfahrzeug mit noch anderen Zwecken als nur denen des Transports beladen.

Damit es also kein Mißverständnis gibt, das ist eine Fotomontage. Aber ich fände es recht lustig, wenn es so eine Puch-Limo gäbe und wir damit eine Runde ziehen könnten.

Als Fahrgäste würden wir dann freilich hinten keinen Schampus schlürfen, sondern ein Gösser aufreißen. Und hier noch eine andere Version des Motivs: [link]

— [Fahrzeuge] —

Generationentreffen: Tun ist gut, wenn man tun tut!

Mit „Generationentreffen“ war eigentlich die Abfolge der Allrader gemeint: Steyr-Puch Haflinger, Pinzgauer und Puch G. Ein halbes Jahrhundert bewährter Technologie, die so geraten ist, daß selbst über Haflinger noch manches Loblied gesungen wird, wo Enthusiasten sie auch für Alltagseinsätze nutzen.

S-Tec-Mann Alois Schadler (links) und Alexander Haid von Magna International

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Generationentreffen: Der erste Tag

Am frühen Vormittag des ersten Tages geht alles noch ruhig an. Es formiert sich eine erste Fahrzeug-Reihe auf dem Terrain des alten Einser-Werkes von Johann Puch. Kleine Erörterungen am Rande. Die Engländer, mit denen wir noch an einem Tisch sitzen werden, sagen „G-Wagen“. Bei den Deutschen heißt das, so höre ich, „G-Klasse“. Wir bleiben bei „Puch G“.

Das Aufkommen sollte sich im Lauf des Tages noch erheblich verdichten

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Tip: Generationentreffen

Diese Woche geht ein mehrtägiges „Generationentreffen“ über die Bühne, was vor allem einmal mehrere Generationen von Geländefahrzeugen meint: Haflinger, Pinzgauer und G-Wagen. Das soll nicht bloß die Offroad-Community ansprechen, es ist außerdem eine Gelegenheit für Fans, nach interessanten Fahrzeugvarianten Ausschau zu halten.

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Locker vier Generationen…

Der Offroad-Day von S-Tec ist eine Mischung aus Profiarbeit und Plauderstündchen, aus Geselligkeit und vergnügter Anstrengung. Das bedeutet vor allem, der Stab sorgt mit einiger Verwandtschaft sehr ausdauernd für das Wohl seiner Gäste.

Stilgerecht Anreise: Als Shuttle zum Gelände diente der definitiv letzte Pinzgauer, der in Österreich gebaut wurde. Und da rede ich von einer Ära längst nach der Verlegung der Pinzgauer-Produktion nach England im Jahr 2002. (Da sind Enthusiasten am Werk gewesen.)

Hat irgendjemand ein kühneres Firmenfahrzeug zum Jausenholen? Aus diesem Laderaum wurden die Kühltruhen gefüllt. Und wer seinem Instruktor vertraute, durfte im Lauf des Tages selbst als völliger Offroad-Anfänger mit einem Dreichaser auf die Piste. Keine Kleinigkeit, wie ich versichern kann.

Was für ein Gewusel! Alle Altersstufen. Ich denke, da waren locker vier Generationen auf dem Set. Manche bevorzugten das Beisammensitzen, manche rückten sich für den Parcours zurecht und die meisten Leute ließen sich als Passagiere in einem G oder Pinzgauer ein, zwei mal ordentlich durchschütteln. (Wer unersättlich blieb, könne auch öfter gebeutelt werden.)

Man konnte auf vergnügte Art blaue Flecken kassieren, Ansichten über den Automobilismus überprüfen oder auch einfach nur die kühlen Drinks und das heiße Grillgut in freundlicher Gesellschaft würdigen. Man konnte auch mit alten Routiniers über allerhand Firmengeschichten reden. Wenn man sich mit dem „Wie haben Sie es gemacht?“ direkt an die einstigen Akteure der Fahrzeugentstehungen wenden kann, bleibt das unübertrefflich.

— [Offroad-Day 2012] —

Eine Sache um ihrer selbst willen gut machen

Wenn ich heute im Browser puch.at [link] eingebe, dann lande ich nicht bei einer Hobby-Formation, sondern bei Professionals. Das ist im historischen Zusammenhang bemerkenswert, denn Johann Puch verstarb 1914. Was ist das also? Ein Fachbetrieb zeigt Flagge, bezieht sich auf Fahrzeuge der einstigen Steyr-Daimler-Puch AG, pflegt ein langlebiges Produkt von Magna Steyr… Da ist von Allrad-Spezialist S-Tec [link] die Rede.

Dieser Fachbetrieb mit Standort im oststeirischen Albersdorf ist einerseits den Pinzgauern und Puch/Mercedes G gewidmet, bezieht andrerseits in seinem Leistungsangebot auch die Haflinger ein, die all dem vorangegangen sind. (Neuerdings wird das Know how dieser Truppe überdies auf Landrovers angewandt.)

Eine kleine S-Tec-Flotte im Gelände

Für uns ist das insofern von Belang, außerdem sehr bemerkenswert, weil sich da verschiedene Intentionen verknüpft zeigen. Die betriebswirtschaftlich relevante Seite, mit der ein anspruchsvolles Klientel bedient wird, brauche ich hier nicht näher erläutern. Das ist Geschäft der Gegenwart und praktische Arbeit an der Zukunft, ein wirtschaftliches Konzept, das die Museums-Belange nicht unmittelbar berührt.

Doch da ist auch noch dieses Motiv der Mobilitätsgeschichte. Wenn ich mit Alois Schadler rede, der bei S-Tec einiges zu sagen hat, erfahre ich von seinem emotionalen Engagement, das er mit Kollegen teilt und welches das Betriebsklima mitbestimmt. Da wird die Flagge „Puch“ in den Boden gerammt, da sieht man sich in einer Tradition stehend und vor einem historischen Hintergrund arbeitend.

Will den Namen Puch nicht verblassen sehen: Alois Schadler

In der Sache haben wir also eine Gemeinsamkeit. Das bedeutet außerdem, hier geht es nicht bloß ums Geschäft, hier geht es auch um soziokulturelle Aspekte, die in menschlicher Gemeinschaft wichtig sind. Denn wir Menschen sind in unserem Tun auf Sinn angewiesen. Unsere Talente und Fähigkeiten bekommen in der Sinnstiftung ein ganz anders Gewicht als in Prozessen, die wir eher sinnleer empfinden.

Damit kommen wir zum Beispiel bei Fragen der Identität an. Identität beziehe ich aus sehr verschiedenen Quellen. Unter anderem aus dem Gefühl von Zugehörigkeit, aus allem, was mir gut gelingt und wofür mich andere schätzen. Wenn mein Beruf mir ebenfalls solche Quellen der Identität bietet, dann trägt das für mich und für andere Früchte.

Damit ist noch eine weitere Sache angerissen. Die teilen Menschen in verschiedenen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen. Manche unter uns kennen dieses Bedürfnis, eine Sache um ihrer selbst willen gut machen zu wollen. Das ist Sinnstiftung pur. Und manchmal schafft es auch materielle Werte, doch der Vorrang gilt den immateriellen Werten.

Was das angeht, diese Wertschätzung für solche Arten der Qualität, bin ich kürzlich in jenem burgenländischen Waldstück unter den Mechanikern und Ingenieuren mehrfach fündig geworden.

— [Offroad Day 2012] —

Offroad-Day: Rookie am Start

Heute beneide ich mich selbst. Ich war einen Tag lang in einer Community fröhlicher und freundlicher Menschen aufgehoben. Vor der Sommerhitze ließ sich gut unter Bäume fliehen, wo engagierte Leute die Getränke kühl hielten und das Grillfeuer hüteten.

Wer es lieber etwas staubig mochte, auch etwas schlammig stand zur Disposition, brauchte nur wenige Schritte den Hügel hinunter zu gehen. Dort brüteten in der Sonne des Sommertages einige Puch G und Pinzgauer. Dreiachser fallen nicht so leicht um wie die Zweiachser, sagte mit ein erfahrener Mann und ließ unausgesprochen: Wenn ein Anfänger auf die Strecke geht.

Altmeister Ferdinand „Fredi“ Thaler ebnet mir die wilde Piste mit seinerr Geduld etwas

Nun komme ich der eigentlichen Sache näher. Ich war verwöhnter Gast beim Offroad-Day von S-Tec: [link] Und das bedeutet, ich hatte zwei „Jungfernfahrten“ im schweren Gelände vor mir.

Die Betonung liegt auf dem schweren Gelände. Denn in der Ebene hatte ich schon nette Gelegenheiten. Ein Mercedes-Benz GL 320 CDI [link] ist nicht fad. Einen turbobelüfteten Porsche Cayenne [link] konnte ich nicht so lange fahren, weil der Tank schneller leer wurde.

Nein, es ist keine Luftaufnahme. Aber eigentlich doch. Jedenfalls der Blick aus einem Pinzgauer, von einer Hangkante aus, auf meinen Jungfernfahrt-G

Aber jetzt ist etwas anderes in mein Leben gekommen und das ziemt sich auch für einen bekennenden Puchianer. Ferdinand „Fredi“ Thaler hatte im Burgenland den Kurs abgesteckt. Es nütze nichts, wenn da Passagen seien, in denen ungeübte Fahrer eventuell abstürzen oder das Auto umschmeißen, sagte er. Deshalb gab es dennoch Abschnitte im Kurs, die möchte ich zu Fuß weder bergauf noch bergab machen, also eigentlich in keiner Weise. Warum dann mit einem Auto?

Routinier Erich Fritz erläutert mir das Differenzialsperren-Klavier

Thaler war mein persönlicher Instruktor auf einem G, demnach bekam ich erste Eindrücke vom ständigen Klavierspiel auf den drei Kippschaltern. Die mittlere Differenzialsperre sei die wichtigste, die hintere schaltet man am besten ein, bevor Räder durchdrehen, die vordere ist kleinen Katastrophenmomenten vorbehalten, bevor die Katastrophen ausbrechen. Aber damit ist die Fuhre kaum zu lenken, also muß sie ehestens wieder abgeschaltet werden.

Wegfahren im zweiten Gang, bergab nur im ersten, naja, „bergab“ bedeutet dort etwas gänzlich anderes als in meinem bisherigen Leben. Auf dem dreiachsigen Pinzgauer saß mir Erich Fritz zur Seite, der vor allem darauf achtete, daß ich da und dort die Nase der Fuhre nicht ungespritzt in den Boden ramme. „Und langsam! Offroad soll man ja genießen.“ „Und bremsbereit!“

Bremsbereit? Da dachte ich eher: Wo ist mein Fallschirm? Wer schmeißt jetzt den Anker raus? Und bitte einen Hubschraubereinsatz!

Der Instruktor ermahnt mich, daß es gerade im Dreiachser die Fahrgästen hinten furchtbar herumschmeißen würde, wenn ich zu flott über Unebenheiten drüberginge

Michael Toson [link], mein Wegbegleiter im Kuratorium für triviale Mythen [link], saß mir teils ermutigend im Nacken, hüpfte teils unerschrocken ins Gebüsch, um mir allerhand Fotos von meiner Premiere zu machen. Der Dreiachser akzeptiert übrigens an manchen Stellen, wo man sich nur mehr nach Flachland sehnt, auch einen Zwischenstop, um im Retourgang die Rutschbahn wieder hochgefahren zu werden.

Das geschieht nicht, damit der Neuling sich besser fühlt, denn diese verblüffende Möglichkeit geht gänzlich aufs Konto der Ingenieure, welche so was ermöglicht haben. Mit dem G geht das freilich auch. Er hat eh bloß zweieinhalb Tonnen. (Der Motor muß in solchen Augenblicken zur thermodynamischen Hölle werde.) Irgendwann meinte Thaler im tröstlichen Tonfall, es sei ganz normal, in manchen Passagen auch Angst zu haben.

Und falls mich wer fragt: Klar! Nächstes Mal wieder!

— [Offroad Day 2012] —