Sender Dobl

Der Brocken

Die Ausfahrt nach Dobl hat sich sehr gelohnt. Die Veranstaltung von „Denkmal-Steiermark“ („Verein für Denkmalpflege in der Steiermark“) [link] geriet zu einer faszinierenden kleinen Reise durch die Medien- und Zeitgeschichte.

Friedrich Bouvier, vormals Landeskonservator der Steiermark, skizzierte den größeren Zusammenhang dieses Projektes. Peter Donhauser vom Technischen Museum Wien bot eine gründliche Einführung, durch welche einerseits deutlich wurde, was die Sendeanlage zu ihrer Zeit bedeutete, in der andrerseits eine Vorstellung entstand, welchen Stellenwert dieses technische Denkmal heute weltweit hat.

Peter Donhauser (Technisches Museum Wien)

Ich habe Donhauser um Erlaubnis gefragt, Teile seines Vortrags als Tondateien verfügbar zu machen. Das dürfte klappen, ich geb dann hier noch bescheid.

Den Abschluß der Veranstaltung erlebten wir auf besonders bewegende Art; im Sinn des Wortes. Der stationäre Notstromgenerator in der Sendeanlage ist ein Brocken von rund 60 Tonnen. Ein 1939er Achtzylinder von Klöckner-Humboldt-Deutz (Köln), haushoch und 1.050 PS stark: [link]

Der Generator von Deutz

Wir durften erleben, wie dieses mächtige Triebwerk von Hubert Tschugmell angeworfen wurde. Ich hab sowas zuvor noch nie aus der Nähe gesehen. Obwohl ich in den Grundzügen weiß, wie so ein Werkel funktioniert, bleibt dann in realer Begegnung doch ein großes Staunen über so ein technisches Mirakel… Daß Stahl auf Stahl nicht verreibt, sondern auch in solchen Massen elegant bewegt werden kann.

Kleine Querverbindung zu unserem Hauptthema: Das Heck habe ich auf dem Vorplatz der Sendeanlage zwischen den parkenden Fahrzeugen sofort entdeckt, beim Näherkommen zeigte sich dieser Haflinger, blitzsauer, wie aus dem Schachterl…

Ah, bevor ich es vergesse: Diese Veranstaltung findet eine Fortsetzung. Wer sie versäumt hat, bekommt also eine nächste Chance.

Tip: Größter Dieselmotor Österreichs

In der Nazi-Ära enstand eine völlig neue Form der Massenkultur, welche über eine Art vernetzter Anwendung unterschiedlicher Medien realisiert wurde. Das Radio spielte dabei eine zentrale Rolle. Diese Massenkultur hatte mehrere „Hauptgegenstände“. Eines jener Hauptmotive berührt unser Thema, die Mobilitätsgeschichte. Autorennen und Rennfahrer wurden über die Stilisierung der Silberpfeile und das ganze Umfeld zu einem Sujet der damaligen „Populärkultur“.

Die Massenmotorisierung setzte dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Dieselmotoren hatten sich im mobilen Bereich ursprünglich auf Schiffen und dann in Lokomotiven bewähren müssen, bevor sie ein Maß erreichten, das sie für Automobile nutzbar machte.

Der größte Dieselmotor Österreichs

Denkmal-Steiermark, der „Verein für Denkmalpflege in der Steiermark“, bietet nun Gelegenheit, sich einen Teil dieses Zusammenhanges – Radio, Schiff, Dieselmotor – an einem steirischen Beispiel anzusehen. In der aktuellen Aussendung heißt es: „Die 1940 als Reichpropagandasender errichtete Großsendeanlage Dobl, deren technische Einrichtung größtenteils erhalten geblieben ist, ist ein technisches Denkmal und zugleich ein Kulturdenkmal von europäischem Rang.“

Da steht nun auch der Koloss: „Wesentliche Bestandteile sind der 120 kW Lorenz-Sender im Sendesaal und der größte Dieselmotor Österreichs, ein Schiffsdieselmotor mit 1050 PS Leistung, der den Sendebetrieb auch bei Stromausfällen garantieren sollte.“

Dazu gehört noch ein inzteressantes bauliches Detail: „Der Senderkomplex besteht aus dem Hauptgebäude mit Sendesaal und Dieselhalle. Freistehend daneben der holzverschindelte Kühlturm für die Kühlung des Dieselmotors.“

Sonderinbetriebnahme des größten Dieselmotors Österreichs
(1050 PS, Baujahr 1939)
Samstag, den 16. Juni 2012
um 17:00 Uhr

+) Sender Dobl [link]
+) Denkmal-Steiermark [link]