Wunderkammer

Kontraste

Das Museum ist kein historisches Institut, sondern eher das, was man einst, als es Museen noch gar nicht gab, eine „Wunderkammer“ nannte. Es ist das Ergebnis sehr kontrastreicher Bemühungen und „Work in Progress“ also ständig in Veränderung.

So ist mir etwa bei der Wiedereröffnung ein hingeschusseltes Foto vom raren Haflinger mit den drei Achsen etwas unscharf geworden. Und seinen ebenso raren Vierzylinder-Boxer von Puch hab ich an dem Tag nimmer zu sehen bekommen, weil ich keine Zeit dazu fand. Blöd! Schon isser weg. Hat den Besitzer gewechselt.

Eine Rarität: Der dreiachsige „Ahlgrimm-Haflinger“ mit dem Vierzylinder-Puch-Boxer

Anderes ist schon früher verschwunden. So zum Beispiel die Karosseriebleche der Prototypen. Wir wissen nicht, ob sie in Privatbesitz landeten oder verschrottet wurden. Aber immerhin gibt es im Museum noch den Motordeckel des U3 [link] zu sehen.

Das ist ein Artefakt der Vergangenheit, auf diesem Foto vor Versatzstücken der Zukunft aufgestellt. Hinter dem Deckel stehen momentan zwei Rohkarossen. Eine des Mercedes-Benz SLS AMG und eine des Aston Martin Rapide, wie sie in Graz bei Magna Steyr erzeugt werden.

Der letzte Rest des Prototypen Puch U3

Diese Luxusfahrzeuge sind der Anlaß für Entwicklungsschritte, welche später auf Massenprodukte Einfluß nehmen werden. Das hat natürlich nicht mehr mittelbar oder unmittelbar mit Johann Puch zu tun. Die Welt dreht sich stets weiter. Puch ist aber zugleich realer Initiator und auch Symbol für die radikalen Veränderungen, welche unsere Mobilitätsgeschichte im 20. Jahrhundert erfahren hat.

Geschichte. Historie. Vergangenheit. Das Puch-Museum hat seine Freunde und seine Kritiker. Manchmal fällt beides zusammen, denn gerade von Freunden darf man auch begründete Kritik erwarten. Manche hätten gerne, daß alles ganz anders gemacht wäre, ganz anders aussähe.

Das Museum beruht auf privater Initiative, hat öffentliche Hand und Wirtschaft zur Kooperation gewonnen. Es steht jedem Menschen frei, so einen Weg selbst zu gehen, dafür Verbündete zu finden. Sie können hier auf der Website Spuren von Debatten und Kontroversen entdecken, von divergierenden Ansichten, was das Museum können soll und wie es angelegt sein solle.

Egon Lampl ist erfahrener Fahrradsammler und ein leidenschaftlicher Kritiker des Museums

So ist das ja im besten Fall bei Kulturprojekten, daß sie ein lebhaftes Kräftespiel bleiben, in dem es keineswegs notwendig ist, alle Widersprüche auszuräumen. Außerdem gibt es bei der Bearbeitung der Vergangenheit schlicht ganz verschiedene Wege, die in manchen Aspekten unvereinbar bleiben.

Die vielleicht wichtigste Variable liegt in der stets neuen Entscheidung, ob der Fokus gerade mehr auf das Detail oder auf das größere Ganze gerichtet sein soll. Sammler und Liebhaber lassen sich für gewöhnlich nicht zurufen, welche Schwerpunkte ihre Leidenschaft haben soll. Wissenschaftlich begründete Forschung hat ganz andere Intentionen und Aufgaben.

Links der Mini, rechts der Haflinger, dahinter die Konturen eines VW Typ 181 („Kübelwagen“)

Das Themen- und Bereichsübergreifende gibt viel her. So war bei den Eröffnungstagen etwa eine zufällige Aufstellung zu sehen, über die man Geschichten schreiben könnte. Ein Mini, ein Haflinger und eine VW Kübelwagen (Typ 181) ergäben interessante Absätze eines Kapitels der Mobilitätsgeschichte nach 1945.

Denken Sie daran: Ihre Geschichten könnten hier in den Lauf der Erzählung einfließen…

— [Überblick] —