Der kühne Herr Calafati und was wirklich wichtig ist II

Der kühne Herr Calafati hat einige Besuche unserer Websites absolviert, plündernd, indem er mitnahm, was ihm gerade gefiel. Warum ist das ein Problem? Ich will es erklären. Mich interessieren dabei keine moralischen Kategorien.

Der allerwichtigste Aspekt ist hier das Klima von Respekt und Achtsamkeit zwischen Fans, Sammlern und Mechanikern. Weshalb?

Gemopst: Der legendäre "Monte-Wagen" auf dem Trailer am G-Wagen des Grazer Gemeinderates Peter Piffl-Percevic, das Ganze auf dem Terrain des Einser-Werkes von Johann Puch. (Dort war der Herr Calafati sicher nicht dabei.)

Menschliches Wissen geht sehr leicht verloren. Es ist heute oft mühsam, über ein älteres Fahrzeug, das restauriert werden soll, die nötigen Fakten aufzuspüren. Das erfordert Zeit, Geld und Ausdauer, weil zum Beispiel vielfach keine Ansprechpersonen von einst tätigen Firmen mehr auffindbar sind.

Da bleibt man dann auf sachkundige Sammler angewiesen, auf Liebhaber. Ein Beispiel. Gestern fragte mich David L. via Facebook:
>>Hallo, ich habe vor, im Sommer eine Puch 504 f4t (bin mir bei der Modellbezeichnung nicht ganz sicher), mit dem 500er Rotax Motor, herzurichten. Wissen Sie vielleicht, wer ein guter Ansprechpartner für Rotaxersatzteile bzw. Ersatzteile für dieses Motorrad generell ist?<<

Ja, wissen wir zum Glück. Jetzt muß aber ein Wissender dieses sein Wissen auch weitergeben wollen. Nicht jeder will.

Nun sind diese Rotax-Teile eine Nachkriegs-Geschichte, das ist noch nicht gar so lange her. Es kann härter kommen. Siehe dazu etwa meinen Beitrag über Max Zottler und seinen zirka 1914er Puch-Wagen. Das wird noch eine mühsame Hackn, Detailwissen und nötige Ersatzteile zu finden: [link]

Gemopst: In einer Halle des entgegenkommenden Sammlers Stefan Fritz durfte ich mir einige schätze ansehen. (Dort war der Herr Calafati sicher nicht dabei.)

Ein anderes Beispiel: Max Reder hat eine wunderbare Sammlung historischer Fahrräder; bis tief in das 19. Jahrhundert zurückreichend. Ich durfte mir ausgefallene Stücke im Detail ansehen und von Reders Fachwissen profitieren. Ich durfte auch Fotos machen, zu denen man sonst nicht so leicht kommt.

Reder schrieb zum ersten Teil der Calafati-Geschichte:
>>mit solchen typen hatte ich auch schon das vergnügen, weshalb ich meine sammlung historischer aufnahmen nun gesperrt habe. eigentlich schade, denn es gab davor immer recht gute diskussionen zu den bildern, aber was solls, ich bin ja nicht die gratis-bilddatenbank für irgendwelche möchtegerns…<<

Diese Aussage illustriert deutlich, wie durch das rücksichtsloses Verhalten einzelner Leute die Gesamtsituation von Fans und Sammlern beschädigt wird. Informationen und Bilder, die gerade noch allgemein verfügbar waren, werden zurückgezogen, verschwinden wieder im Privatbesitz.

Gemopst: Bei einem Meeting mit meinem Freund Norbert Nall, damals gerade Brand Manager von Abarth Austria, daher der schnittige, nagelneue „Esseesse“ (Dort war der Herr Calafati sicher nicht dabei.)

Es ist ziemlich bequem, einfach vom Schreibtisch aus in anderen Revieren herumzugeistern und dort die Früchte fremder Arbeit zu ernten. Gerade auf Facebook hätte der kühne Herr Calafati ja einen ganz einfachen Weg wählen können, der allen gerecht wird.

Sehe ich bei jemandem ein Foto, das mir gefällt, einen Text, der mich anspricht, nutze ich die Funktion TEILEN.

So kann ich diesen Inhalt auf MEINER Leiste zeigen, die Quelle bleibt dabei aber erkennbar. Man macht dabei ferner auf die Quelle aufmerksam und verschafft dem Urheber durch diese Art des TEILENS oder durch das Setzen eines Links eventuell neues Publikum. (Information gegen Information!)

Alle gewinnen und haben was davon.

Nicht so der kühne Herr Calafati. Er kopiert die Fotos und stellt sie separat in seine Alben. Warum wohl? Ein Grund dafür wäre vielleicht, daß er die Leistung anderer unsichtbar machen möchte, damit sie als seine erscheint.

Doch selbst das könnte noch durchgehen. Er hat’s nicht gewußt, er hat’s nicht bedacht, es ist blöd gelaufen. Vielleicht sagt man einfach: „Tut mir leid“. Ein Stückerl zurückrudern, eine freundliche Geste, wer wollte ihm dann noch böse sein?

Nicht so der kühne Herr Calafati. Den Einwand gegenüber seiner Praxis quittierter zu Beispiel so:
>>Habe 2 Stunden Gesucht weil solche Idioten Ärgern mich Ist ja kein Gemälde von Hundertwasser sondern nur ein Auto was es zu 1000 en gibt<<

Profi-Fotograf Walther H. meinte dazu:
>>…bis zu einem gerichtlichen Unterlassungsbeschluss würde ich das Spielchen schon durchziehen, wenn mich einer so unverschämt herausfordert…<<

Notfalls ja. Aber vielleicht läßt sich doch mit geringeren Mitteln eine Verhaltensänderung des kühnen Wegelagerers herbeiführen, denn was wirklich wichtig ist, wie eingangs erwähnt: Ein Klima von Respekt und Achtsamkeit zwischen Fans, Sammlern und Mechanikern.

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Martin Krusche, Künstler, siehe: [link]