1889 fertigte Johann Puch Niederfahrräder nach englischen Vorbild in seiner Schlosserwerkstätte..

Das im Museum ausgestellte Niederfahrrad ist ein von Diplomanten der HTBL Weiz angefertigtes Replikat.
Es wurde von den Diplomanten Anja Donolo, Elisabeth Schreck und Alexander Steinbauer möglichst vorbildgetreu erstellt.

Beschreibung des Fahrrades (Auszug aus der Diplomarbeit):
Johann Puch verwendete einen Kreuzrahmen, bei welchem sich in der Mitte das Sattelrohr, das bis zum Tretlager nach unten verlängert ist, und ein Rohr, welches Steuerrohr und Hinterradgabel verbindet […]. Auffällig ist die englische Bauweise des Fahrrades.
Bei sehr vielen Komponenten des nachzubauenden Objektes handelt es sich um Schmiedeteile. […]
Eine Besonderheit des Fahrrades stellen mit Sicherheit die radial eingespeichten Laufräder mit jeweils 20 Speichen pro Rad und Vollgummibereifung dar. Die Speichen sind nicht durch Nippel gespannt, sondern am Felgengrund befestigt.
Angetrieben wird das Hinterrad über eine dicke Blockkette, welche auf massiven Zahnrädern läuft. Das Drehmoment wird durch ein Blech, dessen umgebogene Zahnflanken in die Räume zwischen den Zähnen des Antriebszahnrades eingreifen, auf die Hinterradnabe übertragen.
Die Kette kann über eine Stange, welche die hintere Achse und damit automatisch auch das hintere Zahnrad zurückdrückt, gespannt werden. Das Aufbringen der Druckkraft auf die Stange erfolgt über eine Mutter, welche an der Lasche des Tretkurbellagerrohres anliegt.
Das Rad besitzt keinen Freilauf, das heißt, die Pedale und die Kette können von der Drehbewegung des Hinterrades nicht entkoppelt werden. Zumindest einen Fuß konnte der Fahrer bei Bergabfahrten auf dem am linken Hinterrad befestigten Fußraster ruhen lassen.
Einen besonderen Fahrkomfort konnte vermutlich auch der mit Tierleder überzogene, aber ansonsten stählerne Sattel nicht bieten. Die Federung dieses wurde durch einen S-förmig gebogenen Blechstreifen realisiert. Neben dem Sattel stellen die dunklen Holzgriffe einen weiteren Berührungspunkt zwischen Fahrer und Rad dar. Sie sind äußerst klein, was davon herrührt, dass es sich um ein Kinderrad handelt.
Die Bremse kann über einen freiformgeschmiedeten Bremshebel betätigt werden. Der eiserne Bremsschuh wird mittels eines Bremsgestänges auf den Vollgummireifen gedrückt.
Zur Rückstellung des Bremshebels dient eine über dem Lampenhalter angebrachte Feder.
Nicht original sind diverse Halterungen des Fahrrades sowie die vorne befestigte Karbidlampe. Karbidlampen sind Gaslampen, bei denen der Brennstoff – meist handelt es sich dabei um Calciumcarbid – in chemisch gebundener Form in einem Behälter mitgeführt
wird.
Ein zweiter, darüber liegender Behälter enthält Wasser. Dieses tropft auf das Calciumcarbid, wodurch Acetylen entsteht. Das Gas verlässt den unteren Behälter und wird am Brenner entzündet. Anschließend wird die grelle Flamme mithilfe eines Spiegels
fokussiert. Der entstehende Lichtstrahl kann zur Beleuchtung benutzt werden.
Solche Gaslampen wurden bei Fahrrädern und anderen Fahrzeugen ab 1896 verwendet
Weiterführende Links
| A. Donolo et al.: „Replikat eines Puch-Fahrrades“, Diplomarbeit, HTBL Weiz, 2023/2013 | Beschreibung der Arbeitabläufe |
